Archiv | September, 2012

College-Alltag

27 Sep

Ich werde oft gefragt, ob der Indian Summer hier wirklich so schön ist, wie auf den Fotos, und wie es alle sagen. Meine Antwort: Nein, ist er nicht. Er ist noch viel schöner. Weiterlesen

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Integration leicht gemacht

18 Sep

Ich bin jetzt ein bisschen über eine Woche hier in Northfield und habe mich sehr schnell eingelebt und fühle mich hier wohl. Das College und die Stadt sowie die Mensa machen es einem aber auch leicht. Weiterlesen

51 Shades of Grey / Attack of the Squirrels

9 Sep

Vor dem Flug

Wow. Ich habe die letzten Tage wahnsinnig viel erlebt. Freitagnachmittag, 15.30 MESZ, kam mein Visum mit DHL Express an – wesentlich frueher als erwartet! Also Flug fuer Samstag buchen, Cheffes eine Mail schreiben und Koffer packen angesagt. Die erste Huerde kam dann anderthalb Stunden spaeter, als ich den Online Check-in nicht ausfuehren konnte. Scheisse, irgendwas war schiefgelaufen. Mail bekommen, Kreditkartenbuchung hat nicht funktioniert. Maria ueberlegt. Maria merkt: Ihr Kreditkartenlimit betraegt ja nur 500 Euro, der Flug kostete aber 840 Euronen. Nunja, Sofortueberweisung waere auch noch eine Option gewesen, praktischerweise habe ich aber meine PIN fuers Onlinebanking vergessen oder vermasselt, denn die, die ich mir notiert hatte, funktionierte nicht. Nach drei Fehlversuchen war dann auch mein Onlinebanking gesperrt, wunderbar. Also Papa per Onlinebanking sofortueberwiesen, zwei Stunden spaeter fuer 200 Euro mehr. grml.
Egal, irgendwann war dann der Koffer gepackt, der Wecker gestellt. Schnell noch das Netbook optimieren, da es ja jetzt nen groesseren Arbeitsspeicher hat. Den Anweisungen von Windows gefolgt, auf optimieren oder aehnliches geklickt, „bitte warten“. Okay, ich warte. Ich gehe weg. Als ich wiederkomme, flimmert der Bildschirm nur noch komisch und ich kann nichts tun. Oh Schreck, schnell alles versucht um ihn wiederherzustellen. Nix klappt. Egal, geh ich halt an den Laptop. Ach nee, bei dem hat sich ja das (vorher schon sehr lose rumhaengende) Kabel mit einem Knall und einem hellen Blitz verabschiedet, gut, dass ich da nicht dran war. Also Kabel kaputt (Papa hats repariert, nice), Netbook spinnt, egal, alles eingepackt. Irgendwann gelangt man an den Moment, wo einem alles wurscht ist, man unnoetigen Kram einfach liegen laesst und den Rest irgendwie einpackt und schaut, dass der Koffer zu geht. Ging er dann auch, kurz gewogen, bisschen ueber 23 kg, passt. Am Schalter sollten es dann 25,5 sein, aber die nette Dame von U.S. Airways respektive Lufthansa hat nichts gesagt.

um 5 Uhr ging es aus den Federn nach etwa 1,5 bis 2 h Schlaf. Duschen, frieren, anziehen, ab nach Muenchen zum Flughafen, einchecken etc. Dabei faellt mir eine deutsche Familie auf, die mir schon in D tierisch auf den Wecker ging. Mutter, Tochter, Grossmutter. Die Mudder wirkte so schlau wie ein Stueck Toastbrot und hat schon dort ueberall versucht, ihre Handtuecher respektive ihren Rucksack auszubreiten. Beim Boarding hat sie sich dann wieder ueberall vorgedraengelt und in Philadelphia schliesslich bei der immigration-Kontrolle wollte die gute Dame nicht wie die anderen warten, sondern hat mal am Schalter fuer Behinderte (gibts das eigentlich in D auch? Ich hab den Eindruck, die nehmen da drueben viel mehr Ruecksicht auf Behinderte und integrieren sie mehr) nachgefragt, ob sie nicht vielleicht schneller drankaemen. Das fand ich schon aeusserst dreist, sowas macht man einfach nicht.

Faszinierend fand ich ja, dass sich einige der Deutschen in der Schlange darueber unterhalten haben, dass die ja total bevorzugt behandelt wuerden, weil das ja viel schneller ginge und die ein bis zwei extra Schalter haetten. Da fragt man sich dann schon, in was fuer einem Land man eigentlich gerade (nicht) lebt.
Besonders schoen am Abflug war dann, dass meine ganze Familie kommen konnte, um sich zu verabschieden, aeusserst suess.

Auf der Reise

Mein Sitz war in der mittleren Reihe der mittlere Platz. Na toll, dachte ich mir, wahrscheinlich werde ich von einer Seite angesabbert und von der anderen angeschwitzt. Meine Befuerchtungen waren aber unbegruendet, meine Sitznachbarn waren nett und mit meinem linken Nachbarn habe ich mich etwa 5 Stunden unterhalten, so ging der Flug relativ schnell rum. Ausserdem war das vegetarische Essen im Flieger sehr sehr spitzenmaessig, hatte ich nicht erwartet, weder im Flieger, noch bzgl der vegetarischen Kochkuenste.

In Philadelphia schliesslich war der Himmel draussen grau in grau in grau. Aschgrau, mausgrau, staubgrau, steingrau, betongrau… 51 shades of grey quasi, sehr regnerisch, und wegen schlechten Wetters musste mein Anschlussflug verspaetet starten. Im Flieger habe ich dann einen Katalog gesehen, der mich breiter als breit grinsen liess. Sky Mall gibts wirklich, liebe HIMYM-Gucker*innen! Dort haben sie pretty awesome stuff, unter anderem HP-Fanartikel und viele mehr oder weniger nuetzliche und mehr oder mehr dekadente Artikel mehr.

Mit der Zeit wurde mir dieser eigentlich-nur-3-Stunden-Flug zu lange und ich konnte und wollte nicht mehr sitzen und ich wurde knatschig. Ich dachte mir, wenn mir Roger jetzt eroeffnet, dass es nach Northfield noch lange dauert, soll er mich lieber erschiessen. 35 Minuten nach dem Abgeholtwerden waren wir dann aber schon vor meinem Wohnheim und Roger hat mir Karte und Schluessel gegeben und mir das Zimmer uebergeben. Noch kurz das Haus erkunden und ab ins Bett um 22.30 Ortszeit, so etwa 5.30 MESZ am Sonntag, nach rund 24 Stunden.

Der erste Tag – Die volle Amerika-Minnesota-Droehnung

Heute Morgen bin ich dann gegen 7.20 nach einer schoenen, erholsamen Nacht ziemlich fit aufgewacht. Im Haus war es noch relativ ruhig, aber in meinem Zimmer gabs nix zu tun, also beschloss ich, gleich mal fruehstuecken zu gehen. Auf dem Campus war schon viel los fuer die Uhrzeit, verglichen mit Deutschland. Diese Vergleiche werde ich allerdings ab morgen einstellen, sonst aergere ich mich zu sehr, wenn ich wieder in Bamberg bin.

Die Mensa hat allerdings Sonntags „erst“ ab 10.30 auf, weil es dort Brunch gibt. Und was fuer eines. Fruechte aller Art, ein riesiges Salatbuffet, die klassischen Eier, Wuerstchen, Bacon, Bratkartoffeln, fleischhaltige und vegetarische Lasagne (aber irre gut, da stinkt noch nicht mal Frau Dotterweich gegen an…), diverse Fleischsachen, die ich mir nicht so genau angeschaut habe, Pizzen, Brote, Toast, Cerealien, zahlreiche Kaffeeautomaten, dreierlei Sorten Aufstrich (Thunfisch, Eier, undkeineAhnungwasnoch), Waffeln, Muffins, und, absolut umwerfend: Oatmeal. Das ist ein warmer Brei, von der Konsistenz her wie Milchreis, aber ich glaube mit Weizen und/oder Hafer. Da rein streut man Zimtzucker. Macht irre satt, warm und vor allem: Suechtig.

Auf dem Weg zur Mensa, eigentlich kaum aus dem Haus raus, ist mir schon eine Sache aufgefallen. Es gibt hier Eichhoernchen zu sehen. Viele Eichhoernchen. Die sind ueberall! Der Janitor haette hier die groesste Freude… Da wird sich der kleine Kuschel-Scrat (Gruesschen an Mark!) sicher wohlfuehlen. Und mit ueberall meine ich wirklich… alle paar Meter, man muss wirklich buchstaeblich aufpassen, dass man nicht auf eins drauftritt. Denn sie sind nicht so scheu wie doofdeutsche Eichhoernchen, sondern lassen sich richtig schoen beim Nussvergraben zusehen.

Vor diesem fantastischen Fruehstueck habe ich mir dann den Bookshop der Uni angeschaut, der im Sayles-Hill Center angesiedelt ist. Auch darin: Eine weitere Mensa, eine Grosse Halle (Gruesse an die HP-Fans), diverse Bueros, die Briefkaesten (hab meinen schon gefunden u gecheckt), eine Cafeteria und sicher noch mehr. Der Bookshop selber ist auch einer, an dem sich andere Unis ein Beispiel nehmen koennten – sofern sie sowas ueberhaupt haben. Ausserdem im Sayles Center: Automaten. Nicht nur fuer verschiedenste Sorten Soda und Suessigkeiten, sondern auch fuer Alltagsgegenstaende wie Nagelclipser, Heftpflaster, Tampons, Kondome, Kopfschmerztabletten, Naehsets und Desinfektionsmittel. Ich dachte mir, ich werd‘ nicht mehr.

Der Bookshop fuehrt naemlich neben Buechern (die auf Wunsch fuer die Studenten schon zusammengestellt und zum Abholen in einem Karton mit Namen bereitgelegt werden) auch noch Uni-Merchandise und alltaegliche Gebrauchsgegenstaende. So findet man auf einer Ebene mit gebrauchten Buechern auch noch Schreibtischlampen, Bueroartikel, Uni-Klamotten aller Art in guter Qualitaet zu guten Preisen (boeser Seitenhieb, die Zweite), sonstigen Merchandise von Schluesselbaendern und Haltern fuer die One-Card ueber Frisbees bis hin zu Carleton-Christbaumkugeln. Adapter fuer deutsche Stecker gabs dort aber leider nicht, deswegen gibts Fotos erst dann, wenn ich einen solchen besitze.

Am Nachmittag wollte ich dann eigentlich gleich in die Bibliothek, bin aber vorher noch durch einen Markt gestolpert, der sich bis auf den Campus erstreckt hat, denn dieses Wochenende waren in Northfield Defeat of Jesse James Days. Der Gute hat es naemlich zum ersten Mal in Northfield nicht geschafft, eine Bank auszurauben und die Stadt feiert das mit einem Festival am Wochenende, das man in etwa als bessere Version deutscher Volksfeste bezeichnen koennte. Um drei Uhr nachmittags war dann eine sehr, sehr, sehr lange Parade. Besonders auffallend dabei: Viel Werbung, ganz viele Schoenheitskoeniginnen und -(Junior)Prinzessinnen sowie aeusserst grossen Applaus fuer Waegen mit Veteranen. Auch aufgefallen sind mir sehr viele Menschen, die heute (Game Day) Vikings-Trikots anhatten, aber ab dem dreissigsten Trikot habe ich aufgehoert zu zaehlen.

Dinge, die nebenher in Northfield aufgefallen sind:
Wohnheimbewohner gruessen sich nicht so freundlich wie im coe, zumindest nicht die maennlichen. College Scumbags wie erwartet / Ueberall in der Stadt findet man Wasserspender, von denen man trinken kann / Restaurants schreiben schon an die Tueren, dass ihre Restrooms nur fuer die hauseigenen Gaeste sind / Menschen aus Minnesota sind wirklich so nett, wie man es in der HIMYM-Klischeefolge „Little Minnesota“ bewundern kann. Einen auf das 99 NFC Championship Game anzusprechen hab ich mich allerdings noch nicht getraut / man kommt in Amerika wirklich viel leichter ins Gepraech / ein alter Mann lief heute auf mich zu und erzahlte mir, dass er nach St. Olaf ging (das benachbarte College in Northfield) und seine Tochter ums Verrecken nach Carleton wollte / in der Bibliothek der Uni steht eine Katzenstatue. Mehr dazu vielleicht ein andermal / hatte ich schon die Eichhoernchen erwaehnt?