Archiv | Juni, 2013

Lessig bleiben

18 Jun

Erster Eintrag meines Post-Carleton-Logbuchs.

Vancouver, BC. Ich berichte live aus einem wunderbaren internationalen Hostel im Zentrum von Vancouver, British Columbia, Kanada. Gleich um die Ecke gibt es sowohl einen Dönerladen (nice try, but thanks for the effort) und natürlich, natürlich, Tim Hortons. Dem Dönerladen muss man zugute halten, dass auf dem großen Bildschirm Hockey lief.

Bei der Einreise wurde ich am Zoll übrigens gefragt: „Warum Kanada?“ – Interessante Frage, Watson. Für den Kommentar „it’s the sane version of the USA“ fehlte mir dann aber doch die Chuzpe. Tim Hortons, und überhaupt Kanada, bedient bis jetzt so ziemlich alle Klischees, die mir bisher über Kanada bekannt waren. Dass Kanadier nett sind, ist mir schon auf meinem Flug von Minneapolis nach Phoenix aufgefallen, wo ich in einer Sitzreihe mit einer Exil-Minnesotanerin und einem Kanadier saß. Der Gute war noch ein bisschen sehr verkatert vom Wochenende, und die Dame war Minnesota nice, kannte außerdem jedes gute Restaurant und jede gute Bar in Downtown Minneapolis.

Auch bei meiner Ankunft hier haben mir zwei Locals gleich die Adresse des Hostels mit Smartphone nachgeschaut, da an den Läden nirgends Hausnummern zur Orientierung ersichtlich waren. Gerade mache ich etwas holprigen Smalltalk mit viel Gestikulieren mit meinen Mitbewohnerinnen aus China und Taiwan. Beim Transfer vom Flughafen (günstig und bequem per Bahn) konnte ich schon ein bisschen von Vancouver sehen, und auch wenn es zum Teil ein bisschen schäbig wirkt, gefällt es mir sehr. Sowohl die Bahn vom Flughafen in die Stadt als auch die Stadt selbst erinnern mich ein bisschen an San Francisco; morgen werde ich das ein bisschen genauer erkunden.

Wie ich auf Vancouver gekommen bin? Wer das nicht weiß, dem empfehle ich die Lektüre von „Der Schwarm“ von Frank Schätzing. Die gut recherchierte und nicht so billig mit sichtbarer Technik geschriebene Version von Dan Brown-Romanen. Von seiner Recherche blieb ihm dann so viel nicht verwendete Info übrig, dass er beschloss, daraus einen weiteren kleinen Roman zu schreiben, „Nachrichten aus einem anderen Universum“, habe ich noch nicht gelesen, aber nach 5 Jahren Recherche für einen Roman würde ich wohl das Selbe tun.

Bevor ich allerdings hierher kam, saß ich eine Nacht in Phoenix, AZ fest, weil sich der Start in Minneapolis verzögert hat – schlechte Witterung. Dadurch verpasste ich dann den Anschlussflug und landete dann in einem recht netten Hotel am Stadtrand von Phoenix, einer sehr schönen Stadt mit äußerst heißem, ariden Klima. Wer mich kennt, weiß ich, dass ich ein kleiner Erdkunde-Nerd bin und mehr als glücklich über diesen ungeplanten Zwischenaufenthalt war. Auf ein Bier mit zwei Truckers aus Minnesota und einer Stewardess, die Deutsch sprach, zusammenzusitzen, war dann auch noch ganz nett.

Die letzten Tage in Northfield waren noch sehr anstrengend, da noch Vieles erledigt werden wollte, unter anderem habe ich schon einen Koffer mit stolzen 63 lbs. nach Hause geschickt, diverse Dinge abgegeben, mich von Leuten verabschiedet, meine Kommilitonen des Abschlussjahrgangs ’13 gefeiert und einigermaßen pünktlich mein Zimmer verlassen. Wer schon einmal eine Stadt verlassen hat, in der man einige Zeit gelebt hat, wird die eher kümmerliche Beschreibung dieser Atmosphäre wohl verstehen. An meinem letzten Tag in Bamberg fühlte ich mich eher wie ein abgestoßenes Organtransplantat, in Northfield kam der Abschied von Carleton viel zu schnell nach dem Uni- und Packstress und den Abschlussfeierlichkeiten, als dass ich es schon realisiert hätte.

Jetzt bin ich sehr gespannt auf Vancouver!  (im Bild: Mein Hotel in Phoenix, Arizona, Blick auf Vancouver vom Flughafen kommend. Die Betrachter*innen mögen sich die jeweilige Stadt aus den klimatischen Bedingungen und der vorherrschenden Flora erschließen.)DSCN2012DSCN1992