Religiös ist das neue schwul – oder: Wer bin ich, über sie zu urteilen?

7 Nov

Dieser Beitrag brennt mir schon seit einiger Zeit auf den Tasten. Man findet auf facebook Gruppen wie „Religioten&Co.“ Der Name impliziert, dass religiöse Menschen Idioten seien. Von den Kreuzzügen über die Inquisition und den Humanismus zum Kreuzzug der Moderne – wie konnte es dazu kommen?

Religiös ist das neue schwul!

Ich stelle diese These auf, und möchte sie anfangs ein bisschen erklären. Während man sich auf dem Land noch dafür rechtfertigen muss, dass man an nichts glaubt, dominieren die Städte bereits die Agnostiker, Atheisten und die, die sich für Atheisten halten.

In manchen Erdteilen und Kulturkreisen werden z.B. Schwule auch heute noch verfolgt und/oder diskriminiert. Diese Diskussion ist allerdings eine andere, die ich in diesem Artikel nicht führe. „Schwul“ wird unwissend, ignorant oder absichtlich als Schimpfwort verwendet, und genau diese Konnotationen, also: verfolgt, diskriminiert, beschimpft, gelten heute auch zunehmend für religiös. Wie kommt’s?

Leichen in den Kellern instituionalisierten Glaubens

Der Hass und die Verachtung, die viele heute für religiöse Menschen haben, wird oft begründet mit allem Schlechten, was sie jemals über institutionalisierten Glauben gehört haben: Die Kreuzzüge, die spanische Inquisition, die Missionierung indigener Völker der ehemaligen Kolonien, Ehrenmorde, körperliche, emotionale und sexuelle Gewalt gegen Schutzbefohlene in christlichen Einrichtungen, Bilder von Demonstrationen gegen die Homo-Ehe, Hassbotschaften und -aktionen religiöser Gemeinschaften wie z.B. der Piusbruderschaft, der Westboro Baptist Church oder von El Kaida. Die meisten der genannten „großen Vergehen“ dieser Gemeinschaften sind mehr oder weniger weiter in der Vergangenheit zu verorten, doch aktuelle Skandale wie die Ausgaben, die Bischof Tebartz-van Elst für das Bistum Limburg getätigt hat, machen es dem selbsternannten Atheisten leicht, auf dem institutionalisierten Glauben herumzuhacken. Kritik an ebenjenem wäre auch verständlich und berechtigt, doch dabei bleibt es nicht. Oft wird im Umkehrschluss jeder religiöse Mensch zum „Religioten“.

Doch wenden wir uns ab von den Schlagworten der Geschichte und kommen wir zum Tagesgeschehen. Vor ein paar Monaten machte Papst Franziskus einen großen Schritt auf Homosexuelle zu. „Wer bin ich, über sie zu urteilen?“

Vernunft oder Anmaßung?

Diese Aussage, die als rhetorische Frage daherkommt, ist immens wichtig. Wir sollten sie uns immer stellen, wenn wir vorschnell über andere urteilen, und da nehme ich mich selbst nicht aus. Zwar sollen Homosexuelle, wenn es nach den Lehren der Kirche geht, ihre sexuelle Orientierung nicht ausleben, sondern stattdessen beten. Dies klingt zuerst nicht nach einem großen Fortschritt, doch entscheidend ist: Nicht einmal der Papst maßt sich an, über einen Menschen urteilen zu wollen. Trotzdem urteilen viele leichtfertig über ihre Mitmenschen, nämlich dann, wenn sie sie für dumm erklären, weil sie an etwas glauben. Ist es die Lust an der Vernunft, die sie umtreibt, oder wollen sie nur, dass alle das Gleiche glauben wie sie? Grundsätzlich lässt sich sagen, dass heutzutage eine Gleichschaltung von gläubigen Menschen mit Fundamentalisten/Spinnern/Idioten stattfindet. Dies bedeutet, dass zugleich eine Radikalisierung auf beiden Seiten stattfindet. Es werden hierbei Menschen in die Defensive gedrängt, die niemals jemanden angegriffen haben.

Radikalisierung auf menschlicher Ebene

In sozialen Netzwerken hat jeder eine Plattform für seine Agenda, ob sie nun offen menschenfeindlich ist, Xenophobie propagiert oder hasserfüllte Kommentare verbreitet. NPD, Anti-Vegetarier-Gruppen, fanatische religiöse Gruppen, die Hass auf Ungläubige verbreiten, Ungläubige, die Hass auf Gläubige verbreiten, ein breites Spektrum an Hassern.

Die Ursachen sind vielfältig: Manchmal wird der Gejagte zum Jäger, manchmal entsteht eine Einstellung aus einem Mangel an Informationen, aus Fehlinformationen, aus Angst, aus Ablehnung, aus negativen Erfahrungen mit Individuen, die einer der später gehassten Gruppen angehören.

Als in den 1950er Jahren Italiener und Türken ins Land kamen, um hier als Gastarbeiter Geld zu verdienen, sah man zum ersten Mal „so richtig“, was es heißt, Gäste zu haben, die anders sind. Die fünfmal am Tag beten und einen Monat lang von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fasten.

Kreuzzug der Moderne

In einem Land, in dem mehrere Kulturen und/oder Religionen miteinander leben, wird oft von Toleranz gesprochen. Toleranz kommt von lat. tolerare – ertragen, aushalten, erdulden. Das klingt nicht gerade nett, richtig? Johann Wolfgang von Goethe sagte dazu: „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“ Die Akzeptanz (lat. acceptare – annehmen, empfangen, bekommen) ist allerdings in Deutschland nicht weit verbreitet.

Im Gegenteil: Oft führen Menschen, die den Lebensstil anderer nicht akzeptieren können und wollen, fadenscheinige Gründe an, um ihn zu verurteilen. Dies geschieht sogar unter dem Deckmantel der PC – political correctness – oder des Humanismus, des Kindeswohls, etc. Später werde ich darauf genauer eingehen.

Der ertappte Christ: Angst vor Häme, Spott, Diskriminierung

Mich erschrecken die Ausmaße dieser neuen Hasskultur sehr. Im persönlichen Umfeld äußern sich diese Verhaltensweisen wie folgt: Ein Freund setzt jeden Menschen, der/die gläubig ist, mit einem Idioten gleich. Ein anderer Freund geht in den Abwehrmodus, wenn ich erwähne, „och, ich wusste gar nicht, dass du katholisch bist.“ Eine weitere blickt mich ertappt an, als ich den Christophorus an ihrem Schlüsselbund bemerke, als ob sie Beschimpfungen erwartet. Ein Bekannter nimmt andere Menschen nicht ernst, weil sie nicht an seinen Gott glauben; für ihn spielt es allerdings keine Rolle, ob sein Gegenüber Agnostiker oder Atheist ist, und ob derjenige nun aufgrund persönlichen oder allgemeinen Leids ein Problem mit der Theodizee hat oder an der Existenz einer transzendenten Macht zweifelt oder aus einem anderen Grund nicht seine Überzeugung teilt. Dies seien nur einige wenige Beispiele, die ich hier nennen möchte.

Opium fürs Volk oder Anfänge der Bildung

Nun ist denjenigen, die von gläubigen Menschen Leid erfahren mussten, ihre Wut nicht zu verübeln. Mir stellt sich jedoch die Frage, warum manche erst dann zufrieden sind, wenn sie anderen ihren Glauben genommen oder mies gemacht haben oder wenn alle das Gleiche glauben wie sie. Ich kenne Eltern, die ihr Kind verloren haben, aber nicht ihren Glauben. Macht sie das nun zu Idioten? Oder haben sie ein Mittel, das ihnen hilft, ihren Schmerz zu ertragen?

Wer jetzt an Karl Marx denkt, ist gar nicht so schief gewickelt. Er definiert Religion als „Opium des Volks“ und als den „Seufzer der bedrängten Kreatur“ in Zeiten des Kapitalismus als Heilsidee für die Armen und Dummen. In guter alter deutscher und prätentiöser Tradition verurteilt er das, was er nicht versteht oder teilt. Nur weil Religion, speziell das Christentum ihm, dem Philosophen, Freimaurer und nicht zuletzt Akademiker, nichts geben kann, ist sie doof und ihre Anhänger unterbelichtet.

Dekalog, Goldene Regel, Bergpredigt – älter und zeitloser als Utilitarismus oder Hedonismus

So sehr die katholische Kirche die Naturwissenschaften in den Anfängen unterdrückt haben mag, es gibt auch gute Seiten an ihr. Die ersten Bücher waren geistliche Werke, die in mühsamer Handarbeit vervielfältigt wurden, bis der gute Gutenberg mit dem Buchdruck ankam. Was war das erste Buch, das gedruckt wurde? Die Bibel. Ein historisch, kultur-, geistes- und religionswissenschaftlich äußerst interessantes Dokument. Natürlich muss man wissen, wie es zu lesen bzw. zu verstehen ist und trotzdem finden wir im Neuen Testament Weisungen, die auch Sinn machen, wenn man nicht an eine transzendente Macht glaubt, die einem bei Nichteinhalten dieser Weisungen nach dem Tod bestraft. Diese Androhungen fanatischer Christen („God hates fags – Gott hasst Schwuchteln“) ließen sich sowieso leicht mit „Gott hasst nicht“ entkräften, ohne zu beleidigen.

Radikalisierung auf politischer Ebene – Nieder mit Sankt Martin!

Mit einer zunehmenden Diversität in unserer Gesellschaft kommt der Ruf nach Säkularisierung gerade recht – möchte man meinen. Nur hat dies leider wenig mit Diversität und der Förderung ebenjener zu tun, als viel mehr mit dem strukturellen Antisemitismus einzelner Akteure.

Dass Eltern beispielsweise in NRW den Sinn von Martinszügen hinterfragen, wenn in der betreffenden Kita größtenteils Arbeiterkinder aus nichtchristlichen Familien untergebracht sind, hat seine Richtigkeit. Hier könnte man sich überlegen, welche Traditionen man (nicht) beibehält und welche Traditionen aus anderen Kulturen man einbringt. Doch warum muss man, wie es die NRW-Linke fordert, gleich den Martinszug abschaffen und die Figur des Menschen, der mit einem Bettler teilt, aus dem Laternenzug verbannen? Der Feiertag ist nun einmal basierend auf dieser Figur entstanden, also warum nicht die Kinder eine Geschichte hören lassen, die sie auch noch Barmherzigkeit lehrt? Weil diese Geschichte „von der Kirche“ kommt! Wir trauen unseren Kindern immer dann nicht zu, zu abstrahieren, wenn sie dabei etwas ausgesetzt wären, das UNS ein Dorn im Auge ist, muten ihnen aber überhastete Schulreformen zu und Lehrer, die nach dem Referendariat schon reif für die Klappse wären.

Die Forderung nach der Umbenennung des Martinsfestes in „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ ist in etwa so absurd wie die Umbenennung von french fries im Amerikanischen zu freedom fries. Rückwendend betrachtet hat es allerdings mit Weihnachten oder dem Johannisfeuer auch nichts anderes auf sich: die heidnischen Feste der Sommersonnenwende und des Julfests inklusive Julklapp wurden mit dem Christentum kompatibel gemacht. Man könnte sich nun streiten, ob die Geschenke zu Weihnachten ihren Ursprung im Julklapp haben oder in den Geschenken der Weisen aus dem Morgenland für das Baby Jesus. Das so oft belächelte Süßigkeitensammeln an Halloween ist eigentlich ein alter britischer Allerheiligenbrauch, in dem die Gebete für die Verstorbenen des Hauses mit Süßigkeiten belohnt werden. In krasseren heutigen Formen ähnelt das trick-or-treating allerdings eher einer Schutzgelderpressung.

„Kinder, Halloween hieß mal Allerheiligen und Sonne-Mond-und-Sterne hieß mal Sankt Martin.“ – „Abgefahren!“

Historisch gesehen wäre diese Umbenennung zwar nichts Neues, doch stellt sich die Frage: Haben wir das wirklich nötig? Wird sich ein christlicher Untergrund bilden, der die säkulare Moral unseres Zeitalters untergräbt und seine perversen christlichen Bräuche künftig hinter verschlossenen Türen feiert? Werden bald Christen Anfang November Grablichter in der Halloweenkürbisfratze versteckt zum Friedhof bringen und sich zum Guerilla-Osterbrotbacken treffen? Beim Dealer um die Ecke bekommt man  Martinsgebäck und Osterhasen. In Altbayern entsteht ein gut organisierter Devotionalien-Schwarzmarkt. Journalisten, die Feuerwehrmänner als Floriansjünger bezeichnen, bekommen totes Gemüse zugeschickt. Eine etwas groteske Zukunftsvision.

Initiative gegen Ungestörte Religionsausübung (Art. 4 GG) unter dem Deckmantel der Aufklärung

Des Weiteren werden in der deutschen Politik auch männliche Beschneidung („Genitalverstümmelung! Kindeswohl!“), religiöse Motive wie das Kopftuch oder das Corpus Christi an einem Kreuz („Beeinflussung! Unterdrückung! Traumatisierung!“), Moscheen („Ruhestörung! Islamisierung!“) und stille Feiertage („Feiertag ja, Tanzverbot nein, mir doch egal, warum wir an dem Tag überhaupt frei haben!“) lebhaft diskutiert. Daran fände ich grundsätzlich nichts falsch, wenn man nicht seinen Antisemitismus und seine Xenophobie („Moscheen in Deutschland und Rumschnippeln an Kinderschniedeln? Nicht mit uns!“) hinter Humanismus und der Sorge um das Kindeswohl verstecken würde. „Die Frau mit dem Kopftuch“ in der Schule kann sich ein Kind vielleicht in den ersten Tagen mit sowieso schon zu vielen neuen Eindrücken wahrscheinlich einfach besser merken als „die eine Frau mit den braunen Haaren und die andere mit den braunen Haaren.“

Die neuen Spießer

In diesen Diskussionen verfolgen die meisten Akteure eine Agenda, die eigentlich nur eines will: Die Religion der Anderen bekämpfen. Statistiken sind alle gefälscht oder nicht aussagekräftig, es sei denn, es sind die eigenen. Was lässt sich daraus schließen? Haben wir in Deutschland eine Religionsphobie entwickelt? Können wir nicht mehr ohne Wut und Hass diskutieren? Was ist los mit Menschen, die ein „ich verstehe und akzeptiere deinen Punkt, habe aber eine andere Meinung dazu“ mit Wutausbrüchen quittieren?

Bezeichneten wir früher noch zu Recht Menschen als spießig, die es nicht zulassen wollten, dass man NICHT glaubt, so sind es jetzt diejenigen, die den Glauben der anderen demontieren wollen. Militante, missionarische Atheisten sind die neuen Spießer, die nicht leben und leben lassen können.

Wie sähen die Konsequenzen einer Säkularisierung und anderer Forderungen in Deutschland aus?

Die größte Angst hat der radikale, neue Spießer allerdings nicht vor Religion, sondern vor den Konsequenzen seiner Forderungen. Wenn man nun das Tanzverbot loswerden will, braucht man ja nur den stillen Feiertag abschaffen. Oder christliche Feiertage im Allgemeinen. Schwupps, dann sind auch die langen Wochenenden futsch. Da wird der Wutbürger aber sauer! Dazu müsste man dann natürlich auch noch die Weihnachts-, Oster-, Pfingst-, Faschings-, und Allerheiligenferien abschaffen oder umbenennen. Weihnachten feiern, Adventskalender, Weihnachtsmärkte und Weihnachtsgeld braucht dann auch kein Mensch mehr, Osternester, Ostereier und diese lästigen Weihnachtsgeschenke erspart man sich dann auch gleich.

Wie, wo bleibt dann das Jahr und die Ferien? Wir sind eine westlich geprägte, mit anderen Worten, christlich geprägte Kultur. Manche Bräuche wie Ratscheier sammeln, Sternsinger, Krippenspiel oder eben der Martinszug mögen überholt oder vergessen sein, aber sie gehören ebenso zu unserer Kultur wie moderne Trends. Fronleichnamsprozession? Nennt man heute eben Katholiken-Flashmob!

Ich fände es jedenfalls schön, wenn man diese Teile unserer Kultur einfach als solche akzeptieren könnte und dabei auch an die Freiheit des anderen denkt. Ich als Atheistin teile gerne meinen politisch inkorrekten Osterhasen (oder PC: Frühlingsschokoladenhohlkörper) mit den neuen und alten Schwulen.

Ernstgemeinte und respektvolle Kommentare sind willkommen und erwünscht.

Wer tappt hinterm Mond im Dunkeln?

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4 Antworten to “Religiös ist das neue schwul – oder: Wer bin ich, über sie zu urteilen?”

  1. Mena November 7, 2013 um 12:33 pm #

    Katholiken-Flashmob … ich liebe es! Der Katholik in mir fühlt sich ein bisschen besser.
    Ich würde zwar noch nicht soweit gehen, dass du als gläubiger Christ diskriminiert wirst … wobei man sich schon des Öfteren für seine Überzeugungen rechtfertigen muss. Aber man lernt, damit umzugehen. Und so sehr ich es begrüße, dass du den Christen ihre Feiertage lassen willst … mir stellt sich durchaus die Frage, ob ein Feiertag angebracht ist, wenn niemand ihn begehen will. Denn im Moment dienen viele Feiertage ja wirklich nur dazu, am nächsten Tag ausschlafen zu können. Natürlich gehört das Christentum zu unserer Kultur, und Religion wird immer in unserer westlichen Welt verankert sein. Die Frage ist doch nur, ob wir uns diese Feiern und die Gebote weiterhin „von oben auferlegen lassen wollen“. So nennen das heutzutage nämlich junge Menschen, die Helloween feiern nöchten … und zwar bis in die Morgenstunden. Also warum sich sagen lassen, man solle dich bitte um zwölf Uhr die Party beenden, weil – was? – irgendjemand sagt, man solle an Allerheiligen den Toten gedenken, und das wenn möglich in alller Ruhe?
    Ich bin immer noch der Überzeugung, dass Religion und Glaube etwas Wunderbares ist. Und ich finde, dass jede Religion ein Recht darauf hat, sich frei – gerade auch hier in Deutschland – entfalten zu können. Ich habe nichts gegen das Kopftuch der Lehrerin – trage doch ich auch ein Kreuz um meinen Hals. Aber wenn Religionen und Atheisten nur sich nur noch voller Hass und Ignoranz gegenüberstehen können, sollten wir wohl ernsthaft in Erwägung ziehen, die Gesellschaft zu säkularisieren. Keine religiöse Erziehung von Kindern mehr, keine kirchlichen Träger von Einrichtungen mehr, keine religiösen Symbole in der Öffentlichkeit. Religion als Privatsache. Macht das unsere Gesellschaft besser? Wer weiß. Macht er unsere Gesellschaft ärmer? Definitiv. Religion ist Identifikation. Warum also vielen Menschen diese Chance nehmen, nur weil sich manche durch Religion bedroht oder gestört fühlen? Ic fühle mich ja auch durch die vielen Deutschlandflaggen gestört, wenn mal wieder Fußball in der Welt gespielt wird. Als Deutscher ist es beschähmend, wenn ich lediglich beim Fußballspiel Nationalstolz entwickle, um ihn danach mit der Flagge wieder im Keller zu verstauen. Ich fühle mich gestört, ich soll das aber tolerieren. Wäre es denn dann im Umkehrschluss zu viel verlangt, zu tolerieren, ein paar Mal im Jahr Discotheken geschlossen zu halten?
    Egal wie sich diese Diskussion langfristig entwickelt – meine Kinder werden Ostern die Auferstehung unseres Herrn feiern und ihren Schokoladenhasen bekommen. Sie werden Weihnachten das Christkind unter den viel zu großen Weihnachtsbaum legen und ihre Geschenke auspacken. Sie werden – und wenn nötig stellen wir die verdammten Dinger in Helloweenkürbise – an Allerheiligen das Garb ihrer Großeltern besuchen und eine Kerze niederlegen. An Aschermittwoch auf Fleisch verzichten. Und vor allen Dingen über den Sinn dieser Feiertage nachdenken. Und wenn sie älter werden und für sich befinden, dass sie so ihr Leben nicht leben wollen – dann werde ich das aktzeptieren. Und bete dafür, dass sie das auch tun werden.

  2. OliverS November 7, 2013 um 11:30 pm #

    Was ist denn bitteschön ein „selbsternannter Atheist“? Ist Atheist ein Ehrentitel, den man sich verdienen muss? Ich bin das, was man allgemein einen Atheisten nennt, aber das ist keine Selbstbeschreibung, keine Selbsternennung zu etwas, das mir nicht zusteht, sondern lediglich eine Begriff, der mein Verhältnis zu anderen Menschen – eben theistisch Gläubigen – beschreibt. Der Begriff sagt nur etwas darüber aus, was ich nicht bin, aber nichts darüber, was ich bin.

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  1. And yes, I have all of the usual objections to the miseducation of children who in tax-exempt institutions get taught to externalise blame, and to feel ashamed, and to judge things as plain right or wrong. | überschaubare Relevanz - November 7, 2013

    […] ist der neue Freitag, Grün ist das neue Pink, Links ist das neue Liberal, und Religiös ist das neue Schwul, so jedenfalls Maria Lesse vom Blog Flaminnessota. Also, das letzte. Die anderen Sachen sind von […]

  2. I don’t go in for ancient wisdom. I don’t believe just ‘cos ideas are tenacious it means they’re worthy. | überschaubare Relevanz - November 10, 2013

    […] Dekalog, Goldene Regel, Bergpredigt – älter und zeitloser als Utilitarismus oder Hedonismus […]

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